Ausgezeichnete Arbeit – Innovation bei Christmann

Kochendes Eisen und rauchende Schlote – bis in die 1970er Jahre war der Landkreis Peine von Bergbau und Stahlindustrie geprägt. Seither hat sich die Region stark gewandelt und neben einer Vielzahl zukunftsträchtiger Betriebe auch Branchenchampions wie den IT-Anbieter Christmann und den Automobilzulieferer Faurecia hervorgebracht. Wir haben die beiden Klassenbesten nach dem Geheimnis ihrer Innovationskraft gefragt.

Zwischen ausrangierten Loren, einem alten Wasserturm und dem rostigen Skelett eines Kühlturms liegt das Gewerbezentrum Starterhof, das ein Hauch von Industrieloft-Romantik umweht. Zu ihm gehören auch die Räumlichkeiten der Firma Christmann Informationstechnik, in denen uns Wolfgang Christmann, Firmengründer und Geschäftsführer, zusammen mit seinem Team-Leiter Fabian Martin empfängt. Während im Eingangsbereich ein großformatiges Schwarzweißfoto auf die industrielle Vorgeschichte des Unternehmenssitzes verweist, kündet im ersten Stock ein Superhelden-Graffiti vom natürlichen Lebensraum der heimischen Superprogrammierer.

Firmengründer und Geschäftsführer Wolfgang Christmann zusammen mit seinem Team-Leiter Fabian Martin

Herr Christmann, Ihr Unternehmen bietet effiziente IT-Lösungen an, was bedeutet das genau?

Wolfgang ChristmannEines unserer Hauptlösungsfelder ist die Datenmigration in die Cloud für mittelständische Unternehmen, die uns auf diesem Feld voll vertrauen, weil das für uns kein Massengeschäft ist, sondern sehr kundegerecht umgesetzt wird.

Fabian MartinWenn sich der Kunde dazu entschieden hat, in die Cloud zu gehen, versuchen wir, sein System so zu überführen, dass es störungsfrei weiterläuft. Da kann es schon mal sein, dass der Kunde am Freitag noch auf seinem alten System arbeitet und am Montag in die Firma kommt und schon alles in der „Wolke“ ist.

Merkt der Kunde denn einen Unterschied?

Fabian Martin: Man kann den Arbeitsplatz eins zu eins in die Cloud legen, d.h. rein äußerlich sieht er genauso aus. Die Systeme sind allerdings deutlich schneller und energiesparender – denn der Rechner startet nur noch ein Programm, mit dem er sich in die Cloud verbindet.

Haben Sie weitere Geschäftsfelder?

Wolfgang ChristmannUnser zweites Lösungsfeld ist die Softwareentwicklung, genauer gesagt Prozessabbildung mit mobilen Endgeräten, das kommt immer stärker.

Fabian MartinDie Kunden kommen mit ganz unterschiedlichen Anforderungen auf uns zu. Der Chef einer Spedition wollte beispielsweise genauer wissen, was seine Fahrer aktuell machen: Stehen sie im Stau, tanken sie, machen sie Pause oder bereiten sie gerade den LKW vor? Deshalb hat er für jeden Fahrer ein Tablet gekauft, auf denen eine entsprechende Anwendung läuft, mit der der Mitarbeiter sagen kann, „ich stehe gerade im Stau“. Wir setzen diese Wünsche dann um.

Das heißt, sie liefern keine Konfektionsware, sondern schneidern nach individuellem Maß?

Wolfgang ChristmannGenau, das machen wir aber eigentlich immer, auch in unserem dritten Geschäftsfeld, der Hardware. Hier haben wir früh angefangen, auf energieeffiziente Technik zu setzen und eine kleine eigene PC-Serie entwickelt, die wenig Strom verbraucht. Die Bedeutung dieses Bereichs ist aber zurückgegangen, da die Endgeräte durch Entwicklungen wie die Cloud immer austauschbarer werden.

Herr Christmann, Sie haben mit Ihrem Unternehmen in den letzten Jahren über zehn Auszeichnungen erhalten. Auf welche sind Sie besonders stolz?

Wolfgang ChristmannFür mich war das ganz klar „Best Practice Green IT“. Wir haben für einen Wettbewerb im Rahmen der International Supercomputing Conference das Thema energieeffiziente Supercomputer bearbeitet und dabei mit Studenten vom Karlsruher Institut für Technologie zusammengearbeitet. Das hat viel Spaß gemacht – und das Projekt haben wir dann auch 2012 beim Green IT-Award eingereicht, bei dem wir in zwei Kategorien ausgezeichnet worden sind

Fabian MartinMein liebstes Projekt war die Skimpy-Cloud. Das ist eine Art mobiles Mini-Rechenzentrum, das komplett in einer rollbaren Flugzeugbox vorinstalliert ist. Es kann zum Beispiel von Messeausstellern, Filmproduktionen oder Krisenstäben genutzt, aber auch stationär betrieben werden. Für dieses Projekt wurden wir 2015 von der Initiative Mittelstand mit dem INNOVATIONSPREIS-IT 2015 in der Kategorie „Green-IT“ ausgezeichnet.

Die Auszeichnungen zeigen, was für ein Innovationspotenzial in Ihrer Firma mit 30 Mitarbeitern steckt. Wie schaffen Sie es, permanent am Puls der Zeit zu sein?

Fabian Martin: Es liegt, denke ich, an unserer Firmenkultur. Viele größere Unternehmen haben ja verschiedenen Abteilungen. Und die nächste Abteilung ist da ja eher ein Feind, weil sie zum Beispiel Ressourcen abziehen könnte. Das gibt es bei uns nicht. Wir arbeiten immer alle zusammen. Wenn wir ein Thema haben, wo wir nicht weiterkommen, klopfen wir einfach an die nächste Tür. So kriegt man auch für den Kunden das beste Ergebnis.

Wolfgang ChristmannWir sind ein „Team of Teams“. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Und wir haben einfach großartige Mitarbeiter, die sich hier wohlfühlen und denen ihre Arbeit Spaß macht.

Wie schaffen Sie es als kleines Mittelständisches Unternehmen in einer eher ländlichen Region, so gute Mitarbeiter zu finden?

Wolfgang ChristmannDas ist interessanterweise überhaupt gar kein Problem für uns: Wir haben immer viele Bewerber. Vielleicht kommt uns dabei zugute, dass wir im Einzugsgebiet von BraunschweigWolfenbüttel und Salzgitter liegen, was die Auswahl natürlich vergrößert.

Fabian Martin: Außerdem bilden wir den Nachwuchs selbst aus – Fachinformatiker, Systemelektroniker, Mediengestalter und Bürokaufleute – und stellen auch fast nur noch Leute ein, die wir selbst ausgebildet haben. Das macht einen großen Unterschied.

Was muss man mitbringen, um bei Christmann eingestellt zu werden?

Wolfgang ChristmannAls Akademiker einen sehr guten Master in Informatik oder Wirtschaftsinformatik. Für einen Ausbildungsplatz eine Extraportion Leidenschaft und den Willen, auch knifflige Aufgaben selbstständig zu lösen. Auch mit Studienabbrechern haben wir gute Erfahrungen gemacht. Bei uns muss man nicht Akademiker sein, um interessante Aufgaben übertragen zu bekommen.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

Wolfgang ChristmannIn jedem Fall bei über 50 Mitarbeitern, auch wenn wir nicht beliebig groß und schnell wachsen wollen. Thematisch werden wir Dinge tun, die ich Ihnen nicht beschreiben kann, weil es sie heute noch gar nicht gibt. Ob wir in Zukunft noch mit mobilen Endgeräten unterwegs sein werden oder alle einen Chip unter dem Daumen tragen – wir wissen es nicht. Was aber sicherlich bleiben wird, ist die Qualität unserer Mitarbeiter und unseres Teams, die uns auch in Zukunft tragen wird.

Nach dem Gespräch führt uns der Firmengründer noch durch die Räumlichkeiten und schwärmt von den guten Bedingungen, die das Starterhaus bietet: vollständig ausgestattete Büroräume für 5,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter – und ein Anschluss ans Breitbandnetz mit einer Internetleistung von einem Gigabit pro Sekunde sei auch in Planung. Statt kochendem Roheisen ein Hauch von Silicon Valley: Hier wird Zukunft aus Mut gemacht.

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